Die 6 Kriterien für den Gemeindeanbau

Quelle: bedrocan.nl
Quelle: bedrocan.nl

Roermond Dichtbij hat einmal bei der Gemeinde Roermond nachgefragt, was man sich von einem Modell des regulierten Cannabisanbaus für die Coffeeshops verspreche. So wie es aussieht, ist die Idee in den Köpfen der Bürgermeister der acht Coffeeshopgemeinden in Limburg doch schon recht fortgeschritten.

Vor allem Antoin Scholten aus Venlo (VVD), Peter Cammaert aus Roermond (CDA) und Paul Depla aus Heerlen (VVD) treiben die Idee voran. Man sieht daran auch mal wieder schön, dass es auch in der Politik kein eindeutiges “Gut” und “Böse” gibt. Politiker, die wir in Sachen Wietpas/I-Kriterium als “Hardliner” ansehen sind beim Thema “Gemeindeanbau” doch recht enthusiastisch bei der Sache. In Deutschland ist so etwas schon fast undenkbar. Hier scheint es eher zu sein, dass man grundsätzlich gegen alles beim Thema Cannabis sein muss, um überhaupt ein relevantes Amt bekleiden zu können.

Bei den Überlegungen für einen Modellversuch haben sich sechs Zielsetzungen herauskristallisiert, die erreicht werden müssten, damit man von einem Erfolg sprechen kann.

  • Das Modell fördert die Volksgesundheit: Trifft meiner Meinung nach voll uns ganz zu. Die Streckmittelproblematik würde damit gelöst sein, es sei denn, die Shops würden selbst strecken.
  • Rückgang von “Overlast”: Geht man einmal nicht davon aus, dass das Overlastproblem eh nur vorgeschoben ist, denke ich nicht, dass ein regulierter Anbau etwas ändern würde. Die Shopversorgung läuft doch jetzt sehr dezent ab. Wenn das jemanden belästigt, macht der Shop / der Lieferant nun wirklich etwas falsch…
  • Das Modell soll den Shopbetreibern einen Ausstieg aus den kriminellen Netzwerken ermöglichen: Sofern Einkaufspreis, Sortenvielfalt, Qualität und Quantität akzeptabel sind durchaus möglich. Allerdings würde es natürlich auch bedeuten, dass es keine Importware mehr gäbe, was sicher auch viele stören dürfte.
  • Anerkennung und Normalisierung von Coffeeshops als gewöhnliche Unternehmen: Das ist auch jetzt schon Sache der Gesellschaft und leider nach 40 Jahren immer noch nicht vollzogen. Auch eine Gesetzesänderung würde das meiner Meinung nach nicht so schnell ändern.
  • Verwendung von Teilen des Gewinnes für Drogenpräventionsprojekte: Ein sehr ehrbares Ziel. Man sollte nicht verschweigen, dass es bereits jetzt schon einige Coffeeshops gibt, die genau das tun.
  • Der illegale Cannabisanbau soll vermindert werden: Hier wird eindeutig der Preis und die Qualität entscheidend sein.

Ob das ganze Gedankenspiel überhaupt von Erfolg gekrönt sein wird ist aber unklar. Justizminister Ivo Opstelten (VVD) hat bereits mehrfach vermeldet, dass ein regulierter Anbau nicht im Einklang mit EU-Gesetzen stünde. Und damit hat er gar nicht mal so unrecht. Allerdings traue ich den Niederländern schon zu, eine Lösung zu finden. Alleine die Möglichkeit, dies im Rahmen eines Modellversuchs zu tun ermöglicht so Einiges (wäre auch in Deutschland denkbar!). Das Coffeeshopmodell selbst konnte ja auch eingeführt werden indem ein wenig getrickst wurde. Fakt ist jedenfalls, dass es einige Politiker gibt, die sich Gedanken machen, wie man Alternativen zum jetzigen Kurs der Niederlande und auch von Europa schaffen kann. Und das ist grundsätzlich begrüßenswert.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de