Maastrichter Shops sollen umziehen – Belgier wollen Grenze dicht machen

Die Entscheidung um den Umzug von zunächst drei Coffeeshops an den Köbbesweg ist gefallen. Smokey, Mississippi und Missouri sollen weg aus dem Zentrum. In Belgien regt sich dagegen Widerstand. Es wird schon davon gesprochen die Grenzen dicht zu machen und jedes Auto was aus Richtung Maastricht kommt zu kontrollieren. Auch die potentiellen neuen Nachbarn in der Gemeinde Eijsden, wohin die Shops sollen, sind nicht begeistert.

Zukünftig immer so leer - der Platz vor den Coffeeshop-Booten Mississippi und Smokey - Foto: Antonio Peri
Zukünftig immer so leer – der Platz vor den Coffeeshop-Booten Mississippi und Smokey – Foto: Antonio Peri

Der Raad van State beschloss gestern, dass die Gemeinde Maastricht, die die Shops gern aus dem Stadtzentrum entfernen will, sie auf ein Betriebsgelände nahe Eijsden umsiedeln darf. Die Gemeinde Eijsden-Margraten und einige Firmen dort, hatten aus Angst vor Overlast Beschwerde gegen die Pläne eingelegt.

Wie “NOS” meldet, hätten die drei Coffeeshopbetreiber (Da es sich um Mississippi, Smokey und Missouri handelt dürften es jedoch nur 2 Betreiber sein, da meines Wissens Mississippi und Missouri einem Betreiber gehören) angeboten freiwillig am Umzug mitzuwirken und ihn auch selbst zu bezahlen. Wie erfahrene Maastricht Touristen wissen, sind Mississippi und Smokey die beiden Boote – daher dürften sich die Umzugskosten dabei in Grenzen halten. Der Raad van State befand die Pläne daher für ausführbahr und hieß sie größtenteils gut.

Insgesamt sollen sieben Coffeeshops die bisher noch in der Innenstadt sind an eine sogenannte Coffeecorner am Rand der Stadt umziehen.

Die Reaktion aus Belgien fällt heftig aus. Schon früher ist ein Umzug am Widerstand Belgiens gescheitert und auch die aktuellen Reaktionen sind panisch. So forderte Huub Broers, der Bürgermeister von Voeren – einer Grenzgemeinde nahe Eijsden gestern die Grenzen dicht zu machen und alle Fahrzeuge aus Richtung Maastricht zu kontrollieren, wie “Het belang van Limburg” meldet. Broers befürchtet, dass sich die Overlast in die grenznahen kleinen Orte rund um Maastricht verschieben wird. Um dies zu verhindern, will er notfalls die Grenze zu den Niederlanden schließen. “Europa lässt dies im Falle gefährlicher Aktivitäten zu. Als Bürgermeister habe ich die Macht. Ich kann alle Fahrzeuge, die aus Maastricht kommen einer Kontrolle unterziehen” wird Broers zitiert.

Marino Keulen, Bürgermeister der Nachbargemeinde Lanaken will noch gegen den Umzug protestieren, auch wenn der Raad van State eigentlich das letzte Wort in dieser Sache hatte. Keulen will die Sache gründlich mit seinen Anwälten studieren um herauszufinden, ob nicht doch noch dagegen vorgegangen werden kann. “Es ist vielleicht eine verlorenen Schlacht, aber noch kein verlorener Krieg” sagt der Lanakener Bürgermeister. “Über einen Umzug zum Brusselseweg höre ich vorläufig nichts mehr. Sollte das passieren, hätten wir gute Argumente, da der Abstand zum Dorfkern von Smeermaas sehr klein ist” so Keulen weiter. Das Einwohnerkriterium bleibe gültig, auch wenn die Shops an den Köbbesweg ziehen. Franzosen, Deutsche und Belgier können dort kein Gras kaufen. Daher wird wohl befürchtet, dass sich die Dealer dann in den belgischen Dörfern der Umgebung niederlassen. Daher die Angst vor der Overlast.

Auch Mark Vos, Bürgermeister von Riemst sucht nach juristischen Schritten um den Umzug in die Nähe seiner Gemeinde zu verhindern. Es steht also eine breite Front belgischer Dorfbürgermeister gegen die Pläne der Stadt Maastricht.

Die Befürchtungen sind nicht an den Haaren herbeigezogen, denn schon jetzt wird wohl das meiste Cannabis, dass in Limburg verkauft wird in Belgien angebaut, wie das belgische “Nieuwsblad” berichtet. Für Produzenten, Verkäufer und viele Kunden würde im Falle von Schwarzmärkten in den belgischen Dörfern rund um Maastricht der Weg über eine Grenze entfallen.

Zur geografischen Einordnung - die belgische Umgebung von Maastricht
Zur geografischen Einordnung – die belgische Umgebung von Maastricht

Antonio Peri

Als Grenzbewohner des Dreiländerecks Deutschland/Niederlande/Belgien und damit natürlicher Europäer, betrachte ich die gesamte Region als meine Heimat. Die Fortschritte im Zusammenleben habe ich immer als angenehm und befreiend erlebt. Als drogenerfahrener Mensch, habe ich jedoch schon seit vielen Jahren gesehen, wie sich die Niederlande, die einst ja so berühmt für ihre pragmatische Drogenpolitik waren, schleichend verändern. Die schleichende Entwicklung war vorbei, als der Wietpas in den drei südlichen Provinzen eingeführt wurde – nun endlich war eine größere Öffentlichkeit für das Thema empfänglich – daher freue ich mich, Autor auf Kein Wietpas! zu sein. Sämtliche anderen Themen zur Drogenpolitik und Legalisierung behandele ich in meinem eigenen Blog: http://antonioperi.wordpress.com