DWARS Amsterdam möchte Patent auf Cannabissamen beantragen

Die Amsterdamer Abteilung der Grün-Linken Jugendorganisation DWARS hat bekanntgegeben640px-Hemp_bunch-dried_out_-seeds_close_up_PNr°0063, dass sie beabsichtigt, das Patent auf die Samen der Cannabispflanze zu beantragen. Dies sei eine Reaktion auf die Entscheidung des Europäischen Patentamtes, weiterhin Patente auf Pflanzensamen zuzulassen. Diese Entscheidung bedeutet, dass Patente auf Gemüse wie Paprika und Brokkoli weiterhin von Konzernen wie Syngenta und Monsanto gehalten werden dürfen.

DWARS Amsterdam befürchtet daher, dass die Zukunft der Hanfpflanze gefährdet ist. “Als wir die Nachrichten hörten, haben wir das sofort beschlossen. Wir hoffen damit, durch diese Patent Anfrage die Hanfpflanze aus den Händen großer multinationaler Unternehmen zu halten. “, lässt der Vorsitzende Lyle Muns wissen.

Arjen Lubach (Zondag met Lubach) wies am vergangenen Sonntag in seinem Programm darauf hin, dass Patente es unmöglich machen, die Samen frei untereinander zu kreuzen. In den USA ist dies seit langem der Fall ist, und praktisch alle Patente sind in den Händen einiger weniger Unternehmen mit Monsanto als berüchtigtem Anführer. Durch Kreuzungen sind Bauern u.a. in der Lage, die Qualität ihrer Kulturen zu verbessern und machen sie resistent gegen Schädlinge.

“Diese Patente führen zu einer amerikanischen Monopol-Kultur. Wir geben Mutter Natur in die Hände der Multis. Das Opfer dafür sind kleine Bauern, die ein Patentverfahren nicht bewältigen können. Sie müssen an die großen Konzerne eine Menge Geld für die dringend benötigte Kreuzungen zahlen.” sagte Muns.

Um die Freiheit der Züchtungen der Hanfpflanze schützen, hat DWARS Amsterdam daher beschlossen, die Patentierung der Samen zu beantragen. Dann können die Züchter sie auch in Zukunft frei für neue Kreuzungen nutzen. Dabei ist der Jugendorganisation durchaus bewusst, dass sie sich hier auf kein leichtes Terrain begibt, weswegen sie sich Hilfe der Mutterpartei erhofft. Immerhin möchte sie durch diese Aktion auch auf die Probleme hinweisen, welche Kleinbauern allgemein auch bei anderen Samen mit dieser Vorgehensweise des Europäischen Patentamtes haben

Interview mit Lyle Muns in Radio Amsterdam FM (Niederländisch)

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead