Haarlem bekommt neuen Bürgermeister

In ,,Hemp City” neigen sich die Zeiten von Bürgermeister Bernt Schneiders (PvdA) dem Ende zu. Ab dem 01.September 2016 wird der ehemalige Bürgermeister der Gemeinde Katwijk in Zuid-Holland das Amt bekleiden und das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit nichts Gutes. Man kann glaube ich zweifelsfrei sagen, dass es sich bei Bernt Schneiders um einen der liberalsten Bürgermeister handelt, den es in den Niederlanden gibt.

Haarlems Neuer: Jos Wienen
Haarlems Neuer: Jos Wienen

Dies wurde deutlich in Form von extrem langen Öffnungszeiten, der Keurmerk und einem erlaubten Handelsvorrat von 1000 Gramm. Wenn man sich den Verlauf seiner Amtszeit anschaut, wird man sicher noch auf andere positive Ereignisse stoßen die nichts mit den Coffeeshops zu tun haben. Man hatte immer das Gefühl, er war nahe an den Bürgern dran und permanent an einer Problemlösung interessiert, sofern es Probleme gab. Dieses löbliche Vorgehen könnte nun durch ideologisches Handeln ersetzt werden.

Jos Wienen (CDA) ist ein Prohibitionist, wie er im Buche steht. Drogenkonsum muss ,,bekämpft” und nicht gefördert werden, in dem man auch noch den Anbau reguliert. Die Holland-Kenner werden wissen, dass es in Katwijk keine Coffeeshops gibt obwohl es bei knapp 65.000 Einwohnern durchaus angebracht wäre. Bars und andere Orte, an denen die harten Drogen Nikotin und Ethanol verkauft werden, dürften davon unberührt bleiben.

Coffeeshop High Times in Haarlem (Quelle. Google streetview)
Coffeeshop High Times in Haarlem (Quelle. Google streetview)

Gerade die jüngste Aktion in Haarlem (Noord-Holland) hat gezeigt, wie wichtig der regulierte Anbau ist. In der letzten Woche gab es zwei Überfalle auf ,,Hanf-Plantagen” in Haarlem. Dabei ist der Grower Andre Braaksma ums Leben gekommen. Mein Beileid gilt der Familie und den Freunden des Toten.

Bernt Schneiders, derzeitiger Bürgermeister in Haarlem
Bernt Schneiders, derzeitiger Bürgermeister in Haarlem

Bernt Schneiders war immer ein großer Befürworter des regulierten Anbaus, doch wie wir wissen sieht man das in Den Haag etwas anders.

Aber nochmal zurück zu den Coffeeshops. Ich gehe nicht davon aus, das Haarlem nun das zweite Maastricht wird, aber man sollte sich definitiv auf Einschränkungen einstellen. Als erstes wird sich Jos Wienen wahrscheinlich die Öffnungszeiten und den Handelsvorrat vornehmen. Desweiteren wird sicherlich verstärkter gegen Grower vorgegangen um die Versorgung der Coffeeshops zu erschweren. Kleine Grower, die ihren Eigenbedarf decken, dürften davon zunächst nicht betroffen sein. Da bin ich wirklich froh, dass wir jemanden wie Nol van Schaik vor Ort haben, der sich sicher auf einige Konflikte mit der neuen Führung einlassen wird. Eine starke Gemeinschaft der Coffeeshopinhaber und ein großer Rückhalt in der Bevölkerung, wird das voraussichtliche Vorhaben von Jos Wienen spürbar schwieriger werden lassen. Im Oktober werden wir sicher mehr wissen.

Kushdee

Kushdee

In den letzten Jahren habe ich mich eingehend mit der Niederländischen Coffeeshopkultur beschäftigt und einige Erfahrungen vor Ort sammeln dürfen. Sie hat mich quasi in Ihren Bann gezogen und lässt mich nicht mehr los. Ich freue mich hier auf "Kein Wietpas!" dabei sein zu dürfen und euch regelmäßig Beiträge zu liefern. Wie man in den Grenzregionen sieht, kann auch ein "kleines" Blog zur Verbesserung der Situation beitragen.
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