Amsterdam-Zuidoost bekommt zwei Coffeeshops

Ich freue mich, euch heute mal eine durchaus positive Nachricht überbringen zu dürfen. Im Amsterdamer Stadtteil Bijlmer wird es zukünftig wieder zwei Coffeeshops geben, deren Einrichtungen sich momentan in der Planung befinden. Die Shops werden zeitversetzt eröffnet, so dass zunächst der erste Verkaufsspunkt in der Nähe des Bahnhofs ,,Bijlmer-Arena”, am Hoekenrodeplein, seine Pforten öffnen wird. Der zweite Coffeeshop befindet sich noch in der frühen Planung und soll nach aktuellem Stand entweder im Gewerbegebiet ,,Bullewijk” oder in einem der Wohngebiete im Bijlmer eröffnet werden.

Der Stadtbezirk Bijlmer hat seit den 80er Jahren mit einigen Problemen zu kämpfen. Einwanderer aus den niederländischen Kolonien, und dem nordafrikanischen Raum wurden in einem Betonjungle zusammengefercht, und mehr oder weniger sich selbst überlassen. Wie auch in anderen europäischen Großstädten führen solche Maßnahmen zu Kriminalität und Perspektivlosigkeit unter Jugendlichen. Somit wächst der Hass auf den Staat und die Vorbilder werden plötzlich andere, in Form von Drogendealern. Da dies aber ein europaweites Phänomen ist, brauche ich darauf natürlich nicht weiter einzugehen.

Allerdings gibt es in dieser Gegend natürlich auch vermehrt Konsumenten, die auf der Suche nach Substanzen wie Heroin oder Crack sind. Dieser Personenkreis dürfte wohl nicht von der Eröffnung eines Coffeeshops profitieren, auch wenn mit Einführung der Duldungspolitik die Trennung der Märkte oberste Priorität hatte und sicher auch einige Konsumenten von chemischen Substanzen auf Cannabis umgestiegen sind. Die Möglichkeit eines Umstiegs bestand ja durchaus auch auf dem Schwarzmarkt, da auch ein Heroindealer seine Kunden nicht unter Androhung von Gewalt zum Kauf zwingt. Ein weiteres Problem dürfte dann auch weiterhin die Beschaffungskriminalität sein. Cannabis in den Coffeeshops zu kaufen ist ja bekanntlich alles andere als kostengünstig. Diese Strategie scheint in heutigen Tagen also nicht mehr wirklich erfolgsversprechend zu sein bzw. wird sie den Suchtkranken wohl auch nicht mehr als Lösungsvorschlag genannt.

Amsterdam-Bijlmer,  Teil der Hakfort-Flats

Selbstverständlich wird im Südosten der Stadt auch mit Wiet gehandelt und genau da will man ansetzen. Wir können glaube ich alle verstehen, dass es Irrsinn ist bis ins Zentrum zu fahren, um sich seine Wochenration Wiet zu holen, wenn Jeffrey (Beispielname) das genauso gut bedienen kann. Das Geld fürs Ticket und den ,,Coffeeshop-Zuschlag” spart man außerdem. In dieser Hinsicht sind die Chancen also auch nicht sonderlich gut, den illegalen Handel einzudämmen. Da dieser fast ausschließlich in Wohnungen stattfindet, ist es zudem schwierig bis unmöglich die Personen als Dealer zu identifizieren. Aber selbst wenn es die Shops im Zentrum nur minimal entlastet, hat man ja schon eine kluge Entscheidung getroffen. Wenn man die aktuelle Lage betrachtet, werden aber trotzdem noch wesentlich mehr Shops geschlossen als eröffnet was das gesamte Projekt eigentlich ad absurdum führt. Sind von den verfügbaren Shops dann noch 60 % oder mehr nicht empfehlenswert, hat man gleich noch ein zusätzliches Problem. Wenn man es genau nimmt, dürften nur noch 50-60 Shops interessant sein wobei ich mich persönlich schon schwer tue fünfzehn Stück aufzuzählen, die ich bedingungslos empfehlen könnte. Setzt sich der Trend so fort, wird man demnächst wahrscheinlich nach 10 Uhr morgens keinen Sitzplatz mehr in den guten Shops kriegen. Inwiefern andere niederländische Großstädte davon betroffen sind, bleibt abzuwarten. Sicherlich werden Den Haag, Utrecht und Rotterdam einige unzufriedene Amsterdam-Besucher zu Gesicht kriegen. Auch in Haarlem fängt man langsam an die Menus mit Exoten zu füllen und sie denen der Nachbargemeinde anzupassen. Dort scheint man sich also bereits ein paar neue Kunden zu erhoffen.

Wir alle im Team verfolgen das Thema mit Spannung und würden euch auch jede noch so kleine Änderung liebend gerne mitteilen. Aber wie mobo ja schon erwähnt hat, haben wir momentan alle sehr viel zu tun so dass vieles zwangsläufig liegen bleibt. Ich kann euch versichern, dass wir untereinander einen sehr guten Kontakt haben und ich froh bin diese drei Verrückten kennengelernt zu haben. Also habt bitte ein bisschen Nachsicht mit uns, denn auch uns fällt es nicht leicht eine treue Leserschaft ungefüttert zu lassen.

Kushdee

Kushdee

In den letzten Jahren habe ich mich eingehend mit der Niederländischen Coffeeshopkultur beschäftigt und einige Erfahrungen vor Ort sammeln dürfen. Sie hat mich quasi in Ihren Bann gezogen und lässt mich nicht mehr los. Ich freue mich hier auf "Kein Wietpas!" dabei sein zu dürfen und euch regelmäßig Beiträge zu liefern. Wie man in den Grenzregionen sieht, kann auch ein "kleines" Blog zur Verbesserung der Situation beitragen.
Kushdee

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