Amsterdams Bürgermeister tritt zurück

Mit sofortiger Wirkung tritt Eberhard Van der Laan (PvdA) von seinem Amt als Bürgermeister der Gemeinde Amsterdam zurück. Bereits vor einigen Monaten gab er öffentlich bekannt, dass er an Lungenkrebs erkrankt ist und seine Amtstätigkeiten noch solange weiterführen werde, wie er dies noch könne. In der letzten Zeit wurden seine öffentlichen Auftritte sehr selten und als er vergangene Woche zusammen mit dem König ein Café besuchte, sorgten die Bilder des angeschlagenen Bürgermeisters auf dem Treffen bereits für viel Gesprächsstoff. Nun also der Rücktritt.

Ein geschwächter Bürgermeister

Häufig stehen eher liberale Politiker in den Niederlanden aufgrund der Duldungspolitik vor schwierigen Entscheidungen bzw. manchmal auch vor Gewissenskonflikten. Schon einige Jahre nach dem Millennium gab es immer wieder die Überlegung, die Coffeeshops nur für Niederländer freizugeben und Touristen den Zugang zu verwehren. Doch immer wieder wurde dies als unsinnige Idee tief in den Schubladen vergraben. Genau bis zum Jahr 2010, als Ivo Opstelten den Posten des Innenministers erhalten hat. Dieser war ja förmlich von der Idee besessen, wie wir euch detailreich zu lesen gegeben haben. In diesem Jahr hat auch Eberhard Van der Laan sein Amt angetreten und sicher schon damit gerechnet, dass sich bezüglich der Coffeeshops eventuell in naher Zukunft etwas ändern könnte. So ist es dann auch gekommen und die erste Niederlage lag in der Luft. Nach zähen Verhandlungen konnte man sich dann doch darauf einigen den Wietpas (später I-Kriterium) nicht einzuführen. Doch Van der Laan musste eine Gegenleistung bringen, die viele Unternehmer die Existenz gekostet hat. Genauer gesagt reden wir vom Abstandskriterium. Eine derartige Regelung bedeute eine radikale Dezimierung der Anzahl der bestehenden Coffeeshops. Die Folge waren überfüllte Coffeeshops und Lieferengpässe die zu minderer Qualität führten. Nicht zu vergessen, auch die Schüsse auf vereinzelte Shops haben für landesweite Schlagzeilen gesorgt. Durch ungerechte Schließungen und unklares Handeln, glänzte Van der Laan hier nicht besonders. Dennoch hat er allgemein eher rational gehandelt und verdient dafür zumindest ein gewisses Maß an Respekt.

Nun aber von der Vergangenheit in die Zukunft mit der Frage: Wie geht es weiter?

So genau lässt sich das natürlich nicht sagen aber zumindest wird dieses Amt durch ein Auswahlverfahren mehrerer Bewerber besetzt. Letzten Endes entscheidet dann der Innenminister, wer das Amt bekleiden wird. Das Worst-Case-Szenario wäre sicherlich ein Bürgermeister der CdA.

Provisorische Vertretung Kajsa Ollongren

In dessen Reihen ist man ja bekanntlich für die Schließung aller Coffeeshops im Land und dass das sicher keinen Fortschritt, mit Sicht auf die Legalisierung, bringt dürfte sternenklar sein. Aber ohne zu sehr zu spekulieren, warten wir auf nächste Erkenntnisse. Garantiert wird man hier kurzfristig eine Entscheidung treffen und dann sind wir alle schlauer.

Wir wünschen Eberhard van der Laan und seiner Familie viel Kraft und genug Zeit, um noch alles zu schaffen, was zu erledigen ist und was sie noch erledigen wollen.

Bis zur Ernennung des Nachfolgers übernimmt Loco-Bürgermeisterin Kajsa Ollongren (D66) das Amt.

Kushdee

Kushdee

In den letzten Jahren habe ich mich eingehend mit der Niederländischen Coffeeshopkultur beschäftigt und einige Erfahrungen vor Ort sammeln dürfen. Sie hat mich quasi in Ihren Bann gezogen und lässt mich nicht mehr los. Ich freue mich hier auf "Kein Wietpas!" dabei sein zu dürfen und euch regelmäßig Beiträge zu liefern. Wie man in den Grenzregionen sieht, kann auch ein "kleines" Blog zur Verbesserung der Situation beitragen.
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