Kees Hoekert (1929 – 2017): Großvater des Nederwiet verstorben

Einer der ältesten Vorkämpfer für eine Cannabislegalisierung in den Niederlanden ist im Alter von 88 Jahren verstorben. Kees Hoekert hat in den 60er und 70er Jahren mit seinen Aktionen und den daraus folgenden Gerichtsentscheidungen den Weg für die niederländische Duldungspolitik geebnet.

Kees wuchs als Kind in Nunspeet auf, wo er bis zu seinem neunzehnten Lebensjahr bei seinen Eltern lebte. Nach seinen Dienstjahren war er eine Zeit lang Gemeindeoffizier in Nunspeet gewesen, aber das war nicht der Beruf, in dem seine Leidenschaft lag. Als junger Schuljunge wusste Kees schon, was er sein wollte. Die Laufbahn zum Lehrer schien vorgezeichnet, da das Erzählen von Geschichten und die Aufrechterhaltung der Ordnung (innerhalb des Klassenzimmers) ihm ziemlich gut gefiel. Es dauerte nicht lange, bis Kees nach seinem Studium, seinen Dienstjahren und seinem Beruf als städtischer Beamter am Sint Nicolaas College in Amsterdam als Lehrer begann. Er war zu der Zeit ungefähr 23 Jahre alt.

Sein Interesse als Lehrer galt hauptsächlich den Geschichts- und Geographiekursen. Er konnte stundenlang Geschichten erzählen. Als kleiner Junge fand er nichts Interessanter, als spannende Kriegsgeschichten oder der Entstehung und Entdeckung neuer Kontinente.

via keeshoekert.nl

1953 ging Hoekert nach Marokko und lernte dort den Genuß von Cannabis kennen, was viel später zu einem zentralen Thema in seinem Leben werden sollte. Bis dahin fuhr er jedoch erst mal noch zur See und lernte weitere Länder kennen. Ende der 50er Jahre lernte er in Paris seine Frau kennen und überzeugte sie, mit ihm zurück in die Niederlande zu ziehen, da ihm der französische Lebenstil nicht so wirklich zusagte.

Zurück in den Niederlanden kaufte er ein Hausboot und erinnerte sich an seine Zeit in Marokko. So begannen die ersten Versuche mit der Anzucht von Hanfpflanzen. Aus ein paar geschenkten Samen und einem Kilo Hanfsaat aus einer Zoohandlung wollte er vernünftige Pflanzen züchten. Das ist die Entstehung von Nederwiet. Die ersten Versuche brachten keinerlei zufriedenstellende Ergebnisse. Erst nach zwei Jahren entstanden Hanfpflanzen, die dem nahekamen, was Kees sich vorstellte. Die Hanfpflanzen wurden überall ausgesät und selbst in die Blumenkästen vor der Polizeiwache setzte er Pflanzen ein.

Es dauerte nicht lange, und sein Hausboot war eine schwimmende Hanfplantage. 1971 verkaufte er von seinem Hausboot aus so viele Hanfpflanzen, dass die Polizei den Verkehr regeln musste.
Natürlich konnte das nicht ohne Folgen bleiben, was jedoch genau das war, was Kees beabsichtigte. Schon in den 60er Jahren stand er der niederländischen Provo-Bewegung nahe, die mit gezielten Aktionen die Obrigkeit herausforderte. Also forderte er auch hier heraus und bekam ein Gerichtsverfahren wegen Übertretung des Opiumgesetzes.

Die Gerichtssitzungen waren Theateraufführungen. Hoekert lieferte Testpäckchen, damit der Magistrat den Genuss eines berauschenden Raucherlebnis erfahren konnte. Während der Berufung waren die Richter teilweise hinter prall gefüllten Hanfsäcken versteckt, die Hoekert für sie gestapelt hatte.
Seine Verteidigung führte Hoekert wie ein Opernsänger. Mit seiner Leistung trieb er den Amsterdamer Hof zur Verzweiflung. “Das Opiumgesetz? Ein Sieb, Euer Ehren. Auf dem Weg zum Gericht ​​sah ich hinter vier Fenstern der Prinsengracht den Hanf blühen.”

Hoekert bat den Generalstaatsanwalt, eine Anzahl Zeugen erscheinen zu lassen. Unter ihnen war der Stoffhund Dolf, “ein professioneller Polizeiexperte”, ein Doktorand in Mathematik, der eine Erklärung über Cannabis in seine These aufgenommen hatte und ein Vietnamveteran, der viel Marihuana rauchte.

Dr. De Wied und Hennepof, die auch für Hoekert aussagen sollten, schienen erfunden, existierten aber. De Wied untersuchte den Drogenkonsum, Hennephof war ein Linguist, der den Unterschied zwischen trockenem und getrocknetem Hanf erklärte.

Es ist bezeichnend für das Schauspiel, das Hoekert spielte, dass er lange nach diesen Namen suchte. Der Staatsanwalt wurde auch Kempers genannt. Hoekert ließ diese Chance nicht vorübergehen. “In Belgien bedeutet Kemp Hanf. Sie stammen aus einer alten Gattung von Hanfzüchtern.“

Die Diskussion wurde dem Gericht zu viel und es beschloss, den Fall zur weiteren Untersuchung an den Untersuchungsrichter zurückzuverweisen. Danach starb der Prozess einen stillen Tod.

Kees 2014 via keeshoekert.nl

1976 erklärte der niederländische Staat dann die Trennung von harten und weichen Drogen. Es gibt zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Gerichtsprozess und der Gesetzesentscheidung, aber man kann wohl mit einiger Gewissheit sagen, dass Hoekert hier seinen Teil dazu beigetragen hatte.

In der Blütezeit haben Dutzende Menschen pro Tag sein Boot ‚De Witte Raaf‘ besucht. Hoekert redete den ganzen Tag, er war ein meisterhafter Erzähler.

Tausende von Touristen waren begeistert von dem freigeistigen Hoekert und seiner schwimmenden Hanfplantage. Kameraleute aus ganz Europa, den USA und Japan beeilten sich, die Hanffarm gegenüber der Polizeistation zu filmen.

Neben De Witte Raaf wurden Styroporflöße festgemacht. Daraufhin wuchs ein Dschungel. Auch verirrte Samen der Hanfpflanze keimten in den schwimmenden Gärten.

Kees Hoekert war kein Kind von Traurigkeit. Er hat sechs Kinder mit fünf Frauen und war zweimal verheiratet. Leider hatte er auch eine Schwäche für Alkohol und war auch ein kräftiger Trinker. Diese Angewohnheit brachte ihm mit der Zeit heftige Gesundheitsprobleme, und führte zu 2011 zu einem Krankenhausaufenthalt und anschließender Einweisung in ein Pflegeheim.

Sein Hausboot wurde verkauft und seine Pflanzen wurden abgebaut. Das Ende einer Ära. Am letzten Sonntag verstarb Kees Hoekert im Alter von 88 Jahren.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead