Den Helder will keine Drogentouristen mehr dulden

Anscheinend braucht Ivo Opstelten jetzt vermehrt die Hilfe seiner Parteifreunde um seine verfehlten Entscheidungen weiter umzusetzen. Wie sonst ist es zu erklären, dass sein Parteikollege Koen Schuiling (VVD), seines Zeichens Bürgermeister von Den Helder, beschlossen hat in seiner Gemeinde jetzt auch das I-Kriterium einzuführen

The featured astronaut photograph is provided by the ISS Crew Earth Observations experiment and the Image Science & Analysis Laboratory, Johnson Space Center.
Den Helder in Nordholland (Foto: NASA)

Das I-Kriterium ist Bestandteil des von ihm jetzt vorgestellten Coffeeshopbeleid. Neben den üblichen AOHJG-Kriterien, die ja überall gelten, wurde das Kriterium jetzt eingeführt um der, man staune, zunehmenden Overlast durch den Drogentourismus entgegenzuwirken. Allerdings hat die Durchsetzung für Schuiling keine hohe Priorität. ‘Zum Glück gibt es in unserer Region kaum Belästigung von Touristen, die diese Gegend besuchen, um weiche Drogen zu kaufen’ sagte er.
Eine erstaunliche Entwicklung, die sich da in Den Helder vollzieht. Schaut man sich die Lage dieses Ortes an, welcher in der Provinz Nordholland an der Nordsee liegt, dann fällt es auch schwer sich vorzustellen dass deutsche oder belgische Drogentouristen durch die ganzen Niederlande fahren, vorbei an solchen, an Coffeeshops nicht gerade armen, Städten wie Rotterdam und Amsterdam, um sich dann am nördlichsten Ende in einem kleinen Touristenort einzudecken. Deswegen erscheint es wahrscheinlich, mit der Einführung des I-Kriteriums ein politisches Zeichen setzen zu wollen, zumal es sich um einen Ort handelt, der nicht unbedingt befürchten muss anschließend von Straßendealern und Kriminalität überzogen zu werden. Den Helder ist eben nicht eine Stadt wie Maastricht oder Nijmegen. Stattdessen benutzt man eine dumpfe Furcht vor der Drogenoverlast um politische Stimmung zu machen. Schuiling sollte sich schon fragen, ob die Einführung einer Ausländer diskriminierenden Regelung ohne ausreichende reale Gründe ihn politisch nicht in eine Richtung bringt, die von einer nationalistischen und europafeindlichen Stimmung lebt. Das ist für einen Bürgermeister eines Touristenortes schon erstaunlich.
Neben dem I-Kriterium soll natürlich auch der Jugendschutz verbessert werden. Den Helder liegt bei der Anzahl der jugendlichen Cannabiskonsumenten mit 11% über dem landesweiten Durchschnitt von 8%. Bei den Erwachsenen liegen die Zahlen allerdings unter dem Landesdurchschnitt. Um dem entgegenzuwirken wurde jetzt auch das Abstandskriterium zu Schulen eingeführt. Coffeeshops müssen einen Mindestabstand von 350m einhalten und die Anzahl wird auf drei Shops begrenzt.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead