Verstecken sich die Straßendealer vor den Parlamentariern?

Beim gestrigen Besuch der Parlamentsmitglieder Magda Berndsen und Sjoerd Sjoursma (beide D66), waren weit und breit keine Drugsrunner zu sehen. Normalerweise sind diese im Viertel an der Boschstraat und der Van Hasselkade/Maasboulevard omnipräsent. Carol Berghmans, Vorsitzender der Buurtplatform BBost-ruwweg (eine Art Nachbarschaftsgremium) vermutet einen Zusammenhang mit dem Besuch der Politiker.

Straßendeal in Maastricht - Bild aus investigativem Videomaterial
Straßendeal in Maastricht – Bild aus investigativem Videomaterial

“Als Manon Fokke, ebenfalls Mitglied der Tweede Kamer, im letzten Jahr in Maastricht zu Besuch war, war es genau das gleiche. Jedes Mal, wenn wir das Gespräch mit politischen Parteien suchen und das angekündigt wird, schickt Bürgermeister Hoes zusätzliche Polizisten in das Viertel. Er möchte nicht, dass die Politiker sehen, was hier wirklich los ist. Ich bin nicht der einzige, der das so sieht. Gestern habe ich viele Reaktionen von Menschen aus dem Viertel bekommen. Sie sagen zum Beispiel: “Kann nicht jeden Tag so eine Delegation kommen, dann bleiben die Drogendealer wenigstens weg”?”

“Am Nachmittag haben wir eine gute Diskussion mit der Parlamentarierin Magda Berndsen und den lokalen D66-Politikern Richard Schoffeleers und Marlene Hameleers geführt. Bei einem Spaziergang danach, haben wir die schönen Flecken in unserem Viertel gezeigt. Lachend meckerten wir darüber, dass auf der Hasselkade kein einziger Dealer zu sehen war…”, das schrieb Berghmans gestern auf der Facebook-Seite von BBost.

Maastricht dichtbij berichtet weiter, dass sich der Besuch deshalb nicht von einem normalen Wahlkampfbesuch irgendwo anders unterschieden hat. Gespräche mit Anwohnern führen, ein paar nette Fotos schießen und wieder weg.

Die ehemalige Polizeichefin von Friesland, de Gooi und Vechtstreek, Magda Berndsen, ist drogenpolitische Sprecherin der D66 im niederländischen Parlament und eine klare Gegnerin der Drogenpolitik von Innenminister Ivo Opstelten und Maastrichts Bürgermeister Onno Hoes (beide VVD).

In einem Exklusivinterview mit Maastricht dichtbij sagte sie im vergangenen Jahr, dass es keinen Grund gebe, warum die Anwendung des Einwohnerkriteriums (sie selbst sprach von Repression) solch große Polizeikapazitäten binden soll. “Die Priorität der Polizei ist nun die Kontrolle der Coffeeshops, obwohl die Priorität ganz woanders liegen sollte. Das ist Wischen mit offenem Wasserkran. Die Legalisierung weicher Drogen gekoppelt mit einem regulierten Handel, ist die einzige Chance, dem Problem Herr zu werden”, so Berndsen.

Sie nannte den Vorsitzenden des Verbandes der offiziellen Coffeeshops Maastricht, Marc Josemans, einen “sehr realistischen Mann”, jedoch auch “jemand der sehr deutlich für seine Branche spricht”, “und natürlich will er Geld verdienen, das ist bei Unternehmern nun einmal so”.

Antonio Peri

Als Grenzbewohner des Dreiländerecks Deutschland/Niederlande/Belgien und damit natürlicher Europäer, betrachte ich die gesamte Region als meine Heimat. Die Fortschritte im Zusammenleben habe ich immer als angenehm und befreiend erlebt. Als drogenerfahrener Mensch, habe ich jedoch schon seit vielen Jahren gesehen, wie sich die Niederlande, die einst ja so berühmt für ihre pragmatische Drogenpolitik waren, schleichend verändern. Die schleichende Entwicklung war vorbei, als der Wietpas in den drei südlichen Provinzen eingeführt wurde – nun endlich war eine größere Öffentlichkeit für das Thema empfänglich – daher freue ich mich, Autor auf Kein Wietpas! zu sein. Sämtliche anderen Themen zur Drogenpolitik und Legalisierung behandele ich in meinem eigenen Blog: http://antonioperi.wordpress.com