Maastricht heute: Verlassen und trostlos – ein Reisebericht

Freitag Nachmittag, strahlender Sonnenschein und man steht in Maastricht. Hat diese Vorstellung nicht noch vor nicht allzu langer Zeit so manches Herz höher schlagen lassen? Heute wahrscheinlich nicht mehr. Wer fährt denn heute noch nach Maastricht? Nun, letzte Woche bot sich mir die Gelegenheit, zusammen mit einem Journalisten Maastricht zu besuchen und die aktuelle Situation zu beobachten, da mobo glücklicherweise am anderen Ende der Republik weilte.

Easy Going - Geschlossen
Easy Going – Geschlossen

Begonnen hat unser kleiner Rundgang am Mosae Forum, dem großen Einkaufscenter in der Stadtmitte. Früher war das ein gut besuchtes Shoppingziel, heute fallen als erstes mehrere leere Geschäfte auf. In diesen Läden waren Bekleidungsgeschäfte, die auch nicht schlecht besucht waren. Der Platz zwischen den Geschäften, früher immer gefüllt mit Kunden der diversen Läden, war nahezu menschenleer. Nur einige wenige Kunden haben anscheinend den Weg hierhin gefunden.

Der Weg führt nun am geschlossenen Easy Going vorbei, in die Richtung der anderen Shops. Auf dem Marktplatz wird gerade der Freitagsmarkt abgebaut. Auch hier fällt auf, das der Platz sehr leer ist. Es sind nur wenige junge Leute zu sehen. Die meisten Cafés am Rand des Platzes sind von deutlich älteren Touristen besetzt und verleihen der Stadt ein leichtes Flair von Bad Münstereifel.

Nächstes Ziel ist der Coffeeshop Club 69. Obwohl der Besitzer letztens verstorben ist, wird der Shop offenbar weitergeführt. Wir dürfen den Shop betreten und vor der Sperre warten, während ein Mitarbeiter den neuen Besitzer von unserem Wunsch nach einem Interview in Kenntnis setzt. Leider möchte aber keiner der Mitarbeiter oder der beiden Gäste mit uns reden.

Kaum haben wir den Club 69 verlassen, werden wir nach wenigen Metern von einem jungen Mann angesprochen, der uns erklärt, dass wir in den Coffeeshops als Deutsche nichts kaufen können. Er jedoch wohne in den Niederlanden und könne uns für fünf Euro etwas aus dem Shop besorgen. Wir lehnen dankend ab und erklären ihm, dass wir nichts zu rauchen kaufen wollen. Irgendwie glaubt er das aber nicht und wundert sich was wir dann in einem Coffeeshop wollten.

Aushang am Smoky
Aushang am Smoky

Weiter geht es dann der Strasse nach bis zum Heaven 69. Der Mitarbeiter dort war etwas auskunftsfreudiger und erläuterte meinem Begleiter die aktuelle Lage. Damit war er auch der einzige, der etwas zu der momentanen Lage sagen möchte. Wo wir auch fragten, die meisten Maastrichter Geschäftsleute wollten gar nichts zu der momentanen Situation sagen. Wenn sie dann doch etwas sagten, dann hörte man eine große Frustration heraus. Sie beklagten sich alle über den Verlust an Kundschaft. Selbst die Drugrunner klagen über ein mieses Geschäft, da ja niemand mehr nach Maastricht fährt.

Zum Schluss führte der Weg noch an den teilweise geschlossenen Booten vorbei. Früher hatten sie immer einen vollbesetztem Parkplatz und eine Menge Leuten saßen an der Maas. Heute liegen sie ziemlich verlassen an der Anlegestelle und die einzigen Leute sind zwei Drugrunner, von denen einer mit einem leisen ‘Haschisch, Marihuana, Kokain’ an uns vorbeigeht.

Nach zwei Stunden Stadtrundgang machen wir uns wieder auf den Heimweg. In dieser Zeit bekommt man genau den Eindruck, den man erwartet hätte. Drugrunner auf den Straßen, verärgerte und frustrierte Geschäftsleute und einige wenige geöffnete Coffeeshops, die fast vollkommen leer sind. Herzlichen Glückwunsch Herr Hoes, ihre Drogenpolitik funktioniert ja wirklich prima.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead