Veldman: Coffeeshops & Wallen

Amsterdam will de Wallen verschönern, und deswegen sollen die Coffeeshops natürlich, nach dem Willen der Stadtverwaltung, aus dem Stadtbild verschwinden. Dass dies nicht so einfach in der Praxis funktioniert, und dass der ganze Plan sowieso völlig sinnlos und kontraproduktiv ist, erklärt der Anwalt Maurice Veldman in seiner Kolumne auf Rollingstoned.nl.

Die Kolumne des Herrn Veldman: Der Umzug von Coffeeshop Speakeasy

Im Sommer 2009 stimmte der damalige Gemeinderat für die ambitionierten Pläne des Stadtrat Lodewijk Asscher, der einen Umbau von de Wallen einleiten wollte. Er behauptete, dass die Sex-Industrie und die Coffeeshops für den Verfall des berühmtesten Teils der Innenstadt verantwortlich waren.
Die Zahl der Bordelle sollte halbiert werden und auch die Hälfte der mehr als 50 Coffeeshops sollte verschwinden. Weil die Gründe völlig unklar waren, blieb eine Reihe von Coffeeshops unversehrt. Asscher hatte das Licht gesehen, und bezeichnete sich als Anwalt der Prostituierten, die aus ihren gewohnten Lofts gejagt wurden. Asscher behauptete, dass die Frauen auf diese Art und Weise vor der weiteren Ausbeutung geschützt würden. Es ist wenig Phantasie notwendig, um zu realisieren, dass es dem guten Mann nicht um den Schutz der Prostituierten ging, sondern dass er das Rotlichtviertel von für ihn unerwünschten Elementen befreien wollte.

Coffeeshop Speakeasy
Coffeeshop Speakeasy

Über Coffeeshops behauptete Asscher, dass diese als Geldwäschereien für die organisierte Kriminalität dienen. Er prägte das Wort “kriminogen”. Der Rat glaubte die Stimmungsmacherei nicht und erkannte die drohenden Folgen der Schließung von 26 gesunden Unternehmen. Deshalb wurde der Bürgermeister gezwungen, diese zu anderen Orten in der Stadt zu verlegen. Seit Jahren ist nichts passiert mit diesen Plänen, aber seit dem letzten Jahr setzte der Bürgermeister sich widerwillig in Bewegung.

Es war ein Notar vor Ort, um festzustellen, welche Coffeeshops umziehen sollten. Und so kam es, dass in diesem Sommer Coffeeshop Speakeasy für den Umzug vorgesehen war. Durch persönliche Intervention von Bürgermeister Van der Laan war zuvor als erstes Coffeeshop ‘The Old Church’ verlegt. Der glückliche Kandidat auf der Liste in diesem Sommer war kein anderer als Jan Goos, der Präsident des Bond van Cannabisdetaillisten. Es war eine Lokalität in der Eerste Oosterparkstraat freigeworden, wo ein Coffeeshop aufgrund von Bibob Problemen geschlossen wurde.

Viele Hürden mussten genommen werden, bevor der Antrag auf eine Lizenz und Toleranzerklärung vorgelegt werden konnte. In der Praxisist eine Verlegung äußerst schwierig, vor allem wegen der Anforderungen, die der Bürgermeister an neue Standorte stellt. Vermieter, die eine solche Lage vermieten können, spielen Monopoly bei der Bereitstellung dieses Raumes. Es muss alles in allem viel Wasser die Amstel hinunterfließen, bevor ein Coffeshop tatsächlich verlegt werden kann. Dass die Betreiber eine Menge zu regeln haben, bevor sie den Coffeeshop an anderer Stelle wieder öffnen können liegt auf der Hand. Die Alternative wäre die Schließung und dann sind sie gezwungen, das Geschäft zu konvertieren. Die Perspektive, den Coffeeshop in andere Gastronomiebetriebe zu ändern, ist in der Praxis unattraktiv.

Was ist mit den Standorten im Red Light District, wo einst Coffeeshops waren? Ein Blick in diesen Bereich zeigt, dass das einst pulsierende Viertel sich zu einem öden Teil der Innenstadt gewandelt hat, wo bemerkenswerte, von Künstlern hergestellte, Sesamstrassen Marionetten die Prostituierten ersetzt haben. Und Coffeeshops sind oft Cafés oder einfach nur geschlossen. Die Realität zeigt, dass das Rotlichtviertel sich zu einem öde und traurig aussehenden Teil der Stadt entwickelt hat, in der Monokultur herrscht. Pizzaverkäufer, günstige Wokrestaurants, Argentinische Steak Restaurants, und nicht zu vergessen Straßendealer beherrschen das Strassenbild.

Die Hauptsache die sich geändert hat, ist die Tatsache dass viele Touristen gezwungen sind, ihr Cannabis auf der Straße zu kaufen. Wenn die letzten Coffeeshops im nächsten Jahr geschlossen wurden, müssen die Strassenhändler Überstunden machen. Eine Reihe von ehemaligen Coffeeshops hat seine Türen als Café wieder geöffnet, in dem die Touristen Cannabis rauchen dürfen, während sie ein Bier genießen Vier Standorte der ehemaligen Coffeeshops sind leer.

Das Rotlichtviertel soll in einen Bereich umgewandelt werden, wo nur hochwertige Gastronomie angesiedelt werden würde. So lautete vor fünf Jahren die anspruchsvolle Aussage, die in einem Zustand der Erregung von Stadtrat Asscher getätigt wurde. Die Stadt hatte schick und attraktiv zu sein, vor allem für die älteren Touristen. Es wurde nichts aus diesen Plänen, und es ist klar, dass die Schließung vieler Coffeeshops völlig nutzlos ist. Schade, dass der Bürgermeister Jahre gewartet hat, bevor tatsächlich Coffeeshops verlegt wurden.

Speakeasy wurde viel lieber bleiben, wo es war: im Herzen der Stadt. aber die Leute vom Speakeasy sind immer noch sehr glücklich, im östlichen Teil der Innenstadt zu arbeiten. Die Erwartung ist, dass das Speakeasy einer der wenigen Auserwählten ist, die Möglichkeit zum Umzug bekommen.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead