Kerkrader Bürgermeister sieht wenig Probleme mit Coffeehops

Jos Som - Bürgermeister von Kerkrade
Jos Som – Bürgermeister von Kerkrade

In der Aachener Lokalzeitung erschien gestern eine Sonderseite zum Thema Coffeeshops in den Niederlanden. Es stellte sich heraus, dass es sich diesmal nicht um die übliche Ahnungslosigkeit handelt, die man normalerweise in den ‘Aachener Nachrichten’ zu diesem Thema findet. Die Seite wurde gestaltet von einer Gruppe Studenten der FH-Aachen, welche dieses Projekt im Rahmen des Fachs Journalistik durchführten. Zu diesem Thema interviewten sie auch den Bürgermeister der limburgischen Stadt Kerkrade, Jos Som (CDA), und fragten ihn nach den Problemen und dem Umgang mit dem Coffeeshops. Einige der Antworten des Kerkrader Bürgermeisters sind dabei recht interessant. So erfährt man z.B. dass Kerkrade nur noch zwei Coffeeshops besitzt, weil der dritte, an der Grenze gelegene, nicht wegen Overlast sondern wegen Handels mit harten Drogen geschlossen wurde. Da die Kundschaft zu 90% aus Deutschen bestand, wurde der Shop geschlossen, weil Som der deutschen Nachbargemeinde Herzogenrath zugesichert hat, bei Missbrauch einzugreifen. Nach seiner Aussage sind die Coffeeshops auch gar nicht sein Problem. „Die Leute kaufen und gehen weg, sie machen keinen Lärm. Die Probleme entstehen an manchen Orten an der Grenze, wo harte Drogen verkauft werden.“ Wird ein solches Haus gefunden, so werden ein- oder zwei Verwarnungen ausgesprochen und das Haus dann geschlossen. Das wird konsequent durchgeführt und wurde schon 130 mal angewendet.
Auf die Frage, was der Wietpas gebracht hätte antwortete Som:“ Dagegen habe ich mich immer gewehrt, weil wir in dieser Frage ja gar kein Problem haben. Die Zusammenarbeit, besonders mit der Stadt Herzogenrath ist auf allen Ebenen gut. Warum also sollen Deutsche nicht in den Coffeeshops einkaufen dürfen. Das Problem ist die Illegalität, nicht der Coffeeshop. Das hat bei uns nicht geklappt. Viele Häuser, die ich im Laufe der Jahre geschlossen hatte, verkauften wieder illegal. Die Leute aus Deutschland wurden den illegalen Händlern geradezu in die Arme getrieben. Unsere Lösung lautet: Es gibt kein Problem, wenn ein Deutscher in Coffeeshops kauft, es gibt nur ein Problem, wenn es Unruhe, Lärm, Belästigung gibt, ‘Overlast’ wie das im Niederländischen heißt“
Persönlich sehe er eine Legalisierung positiv, wenn sie zur Reduzierung von Belästigung beitrage. Die Bürger würden das tolerieren, aber für die Bevölkerung sei es ganz wichtig, dass sie nicht belästigt oder sogar bedroht werde. Damit gebe es in Kerkrade aber relativ wenig Probleme. „Wenn ich das salopp sagen darf: Der Deutsche ist diszipliniert.“ In Maastricht sei das schlimmer, weil dort auch viele Nationalitäten aufeinandertreffen und die Kriminalität dort höher sei. „Das ist der Unterschied, deshalb brauche ich keine Clubkarte“.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead