Maastricht übertrifft Erwartungen bei Durchsetzung des I-Kriteriums

Comandante Hoes darf alles
Comandante Hoes darf alles

Wir befinden uns im Jahre 2014 n.Chr. Ganz Maastricht ist von Onno Hoes besetzt… Ganz Maastricht? Nein! Einige von unbeugsamen Niederländern bevölkerte Coffeeshops hören nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die niederländischen Coffeeshopbesitzer, die in den geöffneten Shops ausharren…
Auch wenn man sich bei den Nachrichten aus Maastricht manchmal an die Selbstherrlichkeit der Römer und das kleine gallische Dorf erinnert, so ist es leider nicht so einfach wie für die tapferen Gallier. Leider kann man Onno Hoes nicht durch ein Schlückchen Zaubertrank beseitigen, auch wenn sich das wohl viele wünschen würden.
Stattdessen greift man zu anderen Mitteln, wie es der Besitzer des Heaven 69 jetzt getan hat. In einem Brief an die Gemeinde beklagte er sich über die Behandlung zweier aus dem Ausland stammender Besucher, welche am 6. November bei einer Kontrolle vorläufig festgenommen wurden. Nach seiner Aussage wurden die zwei mit viel Aufwand zum Polizeirevier mitgenommen, obwohl sie im Besitz eines ‘verblijfstitel’ waren. Mit diesem Dokument, welches einem Ausländer in den Niederlanden ausgestellt wird wenn er sich für eine bestimmte Zeit in den Niederlanden aufhält (In diesem Fall zum Zweck des Studiums), konnten die beiden einen Wohnsitz in den Niederlanden nachweisen. Dieses offizielle Dokument hatten die beiden selber in Eindhoven ausstellen lassen müssen. Aufgrund dieses Dokuments hätten sie eigentlich nicht auf Grund des I-Kriteriums festgenommen werden dürfen.
‘Trotzdem hat es das kontrollierende Flexteam für nötig befunden, wegen des Abgleichs mit dem Personenregister die beiden Studenten, den Geschäftsführer und den Verkäufer mit zum Polizeirevier zu nehmen’ schreibt der Besitzer des Heaven 69 an die Gemeinde. Außerdem wurde direkt der im Shop befindliche Handelsvorrat, ungefähr 450g, mitgenommen.
Er sieht die ganze Aktion als eine Maßnahme um den Zugang zu den Coffeeshops zu erschweren. Die beiden Studenten erklärten ihm hinterher, dass sie ab jetzt lieber bei einem der Straßenhändler kaufen, da sie auch an ihre zukünftige Karriere denken müssten und die Straßenhändler nicht so stark kontrolliert würden.
Besonders schmerzlich für die beiden war die Tatsache, dass sie noch nicht einmal etwas gekauft hatten, sondern den Coffeeshop nur aufgesucht hatten, um einen mitgebrachten Joint dort zu rauchen weil sie das nicht auf der Strasse tun wollten.
Der Eigner des Heaven 69 fordert vom Rat der Stadt Maaastricht diese Hexenjagd und Kriminalisierung zu beenden. Er stellt auch fest, dass Maastricht die einzige Stadt in den Niederlanden ist, in der Flexteams Personenkontrollen durchführen. ‘ Neben dem seltsamen I-Kriterium wird hier auch noch eine angepasste Version des B-Kriteriums durchgesetzt. Ein Kriterium, welches vom Minister unter Druck zurückgezogen werden musste.’ Maastricht versuche hier härter als der Rest zu sein, obwohl Untersuchungen gezeigt hätten, zu welchen negativen Resultaten die repressive Politik gegen die Coffeeshops führt.
Auch der Besitzer des Mississippi hat Ärger mit den Ordnungsbehörden. Die Polizei hat ihn gestern festgenommen und den Handelsvorrat beschlagnahmt, weil er einer nicht in den Niederlanden wohnenden Person einen Joint verkauft hat.
Genau betrachtet haben die beiden Studenten nicht ganz Unrecht. Die Wahrscheinlichkeit erwischt zu werden wenn man bei einem der Straßenhändler irgendwo in einer der Nebengassen etwas kauft, ist scheinbar wirklich geringer als es in einem Coffeeshop zu versuchen.
Währenddessen hat sich Onno Hoes mit seinen Kollegen aus den belgischen Grenzstädten Lanaken, Riemst, Bilzen und Voeren getroffen um sich mit ihnen über den Plan der neuen belgischen Regierung, Cannabis nicht mehr zu dulden, auszutauschen. Eine genaue Aussprache darüber steht jedoch noch aus. Der Fraktionsvorsitzende der SP im Maastrichter Stadtrat, John Gunther, hatte sich besorgt geäußert, weil die belgischen Cannabiskonsumenten nun von zwei Seiten unter Druck kommen würden. In den Niederlanden können sie wegen des I-Kriteriums nicht in die Coffeeshops und im eigenen Land werden sie ebenso von der Obrigkeit verfolgt. Nach Ansicht der SP bringt dies ein großes Risiko für die Gemeinde Maastricht mit sich, aber Hoes sieht das nicht so. ‘Ich kann im Moment nicht einschätzen ob und was für Konsequenzen diese Regelung für die Stadt Maastricht haben wird.’ schrieb er in einer Antwort an Gunther.
Das SP-Ratsmitglied sorgt sich vor allem um die Wohnbezirke in Maastricht, in die sich der illegale Handel dann verlagern könnte, da diese Bezirke weniger stark kontrolliert werden als die Innenstadt. Hoes versichert deswegen, dass diese Gegend ausreichend kontrolliert wird und das, wenn nötig, die Kontrollen noch verstärkt werden würden.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead