Der Status Quo in Amsterdam

ams

Die letzten Meldungen über Amsterdam und die Diskussionen dazu führten zu etwas Verwirrung über die aktuelle Situation und die Zukunft vieler Coffeeshops in der Stadt. Aber Ihr habt ja Euren Checker mobo, der Euch jetzt mal ein wenig Licht ins Dunkle bringen wird…

Fassen wir zuerst einmal zusammen: Ein Beitrag in der Kolumne von Anwalt Maurice Veldmann über das Coffeeshopsterben in Amsterdam erzeugte hier und in den Niederlanden viel Aufmerksamkeit. Ob der Artikel letztendlich zu der Änderung führte ist nicht ganz klar, jedenfalls ließ Amsterdams Bürgermeister Eberhard van der Laan (PvdA) nur wenige Tage später wissen, dass man die Schließungen der Coffeeshops im Wallen-Gebiet stoppen werde.

Friede, Freude, Eierkuchen? Mitnichten!

Zu allererst sollte man sich ins Bewusstsein rufen, dass es in der Stadt der Sünde zwei große Schließungsgründe gibt. Zum einem haben wir die Schließungen im Rahmen des “Projekte 1012”. Dieses soll das Wallengebiet, also den Rotlichtbereich der Stadt lebenswerter und sauberer machen. Mit andere Worten: Hier soll eine geplante Gentrifizierung stattfinden. Die Zahl der Bordelle soll radikal reduziert werden und mit ihnen sollen auch die Coffeeshops verschwinden. Man wolle das Image des Viertels verbessern und es attraktiver für Anwohner und Touristen (Ach ja?) machen. Das Prostitution in Amsterdam nicht immer gutzuheißen ist, sollte klar sein. Menschenhandel muss man bekämpfen. Trotzdem lässt es sich nicht leugnen, dass das Rotlicht zu Amsterdam gehört wie eben auch die Coffeeshops.

Zum anderen gibt es aber auch noch das A-Kriterium, das die Mindestentfernung eines Coffeeshops zu einer Schule regelt. Amsterdam ist dabei, diese Regelung strickt einzuführen und will alle Coffeeshops, die sich im Umkreis von 250m um eine Schule oder schulischer Einrichtung befinden, schließen. Dafür gibt es einen Zeitplan, den wir hier veröffentlicht haben. An diesen Schließungen hat sich NICHTS geändert, die letzten 15 werden wie geplant am 01. Januar ihre Vordertüren schließen müssen. Für immer. Wenige glückliche konnten sich nochmal mit Mühe und Not retten, die anderen sind bald Vergangenheit. Die Ironie an der Sache ist, dass Untersuchungen gezeigt haben, dass das A-Kriterium absolut keinen “positiven” Effekt hat und sich nicht auf den Drogenkonsum der Schüler auswirkt. Wie auch? Der Einlass für Minderjährige in Coffeeshops ist strickt untersagt und wird zu Recht hart bestraft, auch in Amsterdam. Selbst die Polizei und diverse Schulleiter bestätigen dies. Trotzdem hält Amsterdam an der Einführung dieser Regel fest.

Arbeitslos - die ehemaligen Mitarbeiter des Coffeeshop Sheeba
Arbeitslos – die ehemaligen Mitarbeiter des Coffeeshop Sheeba

Die Liste der Shops, die im Wallen-Viertel schliessen sollten (und z.T bereits geschlossen wurden) haben wir hier veröffentlicht. Dass das Schließen jetzt erstmal gestoppt wurde, sollte man allerdings nicht zu euphorisch feiern: Zwar sind die Schließungen nach Zeitplan erstmal aufgehoben, ein Stadtsprecher betonte aber bereits, dass die betroffenen Shops nach Auslaufen der stets befristeten Verkaufslizenzen keine weitere Verlängerung erwarten sollten. So wurde das Coffeeshopsterben im Wallenviertel nur aufgeschoben, aber faktisch nicht aufgehoben. Und den bereits geschlossenen Shops  (z.B. 1,2,3) bringt es sowieso nichts.

Fakt ist, dass Amsterdam im vollen Gange dabei ist, sich Radikal zu ändern. Die Zahl der Shops sinkt unaufhaltsam. Die verbliebenden verlieren durch das Auffangen der bisherigen Kunden (man bedenke, dass die Tourismuszahlen in Amsterdam steigen!) ihren Charme, da sie oft überfüllt sind. Die Anwohner sind genervt, da die Overlast durch die stärkere Frequentierung steigt, was wiederum weitere Schließungen nach sich ziehen könnte, da Overlast ja ein Lieblingsthema von konservativen Politikern ist. Amsterdam ist dabei, DAS Wahrzeichen der Stadt aufzugeben. Nirgendwo sonst konnte bislang Cannabiskultur so offen gelebt werden (selbst in den USA und Spanien findet sie verdeckter statt).

Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen.

P.S.: Alle, die zu dieser Seite gekommen sind, weil sie nach etwas anderem gesucht haben – die Tourdaten der Band Status Quo findet Ihr hier.

mobo

"Coffeeshops sind mehr als nur eine schnöde Verkaufsstelle für Cannabis. Sie repräsentieren einen wichtigen Teil der weltweiten Cannabis-Kultur und sind ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austausches, unabhängig von der Herkunft, Hautfarbe und Religion der Besucher. Daher sehe ich sie als schützenswertes Kulturgut an."
mobo aka Stefan Müller wurde 2012 mit der Schaffug von "Kein Wietpas!" erstmalig in der Szene aktiv.
Seit 2014 Headshopbetreiber mit dabbing.de

Letzte Artikel von mobo (Alle anzeigen)