Übereifrige Kontrolleure sorgen in Maastricht für Unmut

Der überschüssige Arbeitseifer einiger kommunaler Beamter hat in Maastricht zu einem kleinen Eklat geführt. Bei der Kontrolle der dreizehn Coffeeshops waren einige Stadtbedienstete wohl etwas zu genau und notierten sich die Daten der im Shop anwesenden Besucher. Da in Maastricht das I-Kriterium gilt, kontrolliert die Gemeinde die Anwesenheit ausländischer Besucher in den Shops. Das geschieht normalerweise durch Ausweiskontrolle oder Vorlage eines Auszugs aus dem Melderegister, was z.B. für ausländische Studenten mit Reisepass der Weg wäre.
Bei der letzten Kontrolle notierten die städtischen Kontrolleure die Daten, was normalerweise nicht passiert und somit einen Protest der Vereinigung der Maastrichter Coffeeshops nach sich zog.
Marc Josemans, der mittlerweile zurückgetretene Vorsitzende des VOCM und nun als Eigner des Easy Goings sprechend, erklärte, dieses Vorgehen wäre vollkommen inakzeptabel und könnte die kontrollierten Kunden in arge Schwierigkeiten bringen, wenn z.B. bei einem Jurastudenten irgendwann mal bekannt werden würde, das er eine Vorliebe für Cannabis hat.
Laut Josemans ist dieses Vorgehen gegen alle Absprachen und verletzt die Privatsphäre.
Grundsätzlich ist ein solches Vorgehen eine Umsetzung der Regeln, die zu Zeiten des Wietpas, der ja mittlerweile schon lange vom Gericht kassiert wurde und seitdem Geschichte ist, gegolten haben. Die Frage sei hier jetzt gestattet, auf welche ‚Absprachen‘ Josemans Bezug nimmt. Denn solche Aktionen wurden vom Gericht verboten, dafür hat seinerzeit ja der VOCM geklagt und gerade Josemans hat hier an vorderster Front gestanden.
Nichtsdestotrotz ist Maastricht auch bekannt für Regelungen, die innerhalb der Stadt zwischen Gemeinde und Coffeeshops ausgetüftelt wurden. Man erinnere sich nur an das ‚Nachbarschaftskriterium‘ welches Belgiern und Deutschen erlaubte in den Shops einzukaufen während Franzosen, Engländer und alle anderen draußen bleiben mussten.
Nach Ausssage der Gemeinde werden die Daten nicht verwertet und wurden mittlerweile vernichtet.

Steve Thunderhead

Steve Thunderhead

Ich lebe seit mehr als vierzig Jahren an der niederländischen Grenze. Die Entwicklung der niederländischen Cannabispolitik verfolge ich seit den achtziger Jahren, als ich zum ersten Mal einen Coffeeshop besucht habe. Die langsame Veränderung von einer pragmatischen und toleranten Politik zu immer repressiveren Regelungen kenne ich deswegen aus eigener Erfahrung. Ich freue mich als Autor auf Kein Wietpas! mitarbeiten zu dürfen, weil ich nach all den Jahren meinen Anteil zu einem erneuten Wandel dieser Politik beitragen will.
Steve Thunderhead